
Verussziit | Kleine Luxemburger Schweiz
Durch magische Wälder und abenteuerliche Felsen
📏 151km, ↗ 3’500m, ↘ 3’760m, 🗓️ 22. August - 2. September
Lëtzebuerg-Stadt
Samstagmorgen, Tag siebenundvierzig unserer Reise. Es ist fünf Minuten nach sieben. Ich blinzle zu Doris hinüber und sehe, dass auch sie bereits wach ist. Erholt starten wir gemütlich in den Tag. Wir frühstücken, lesen, schreiben Blog und machen uns kurz vor zwölf Uhr auf, um im nächsten Supermarkt einzukaufen.
Nach einer kurzen Busfahrt stehen wir im riesigen Supermarkt. Etwas verwirrt betreten wir diesen und vermissen die Früchte und das Gemüse direkt beim Eingang. Denn diese sind in Luxemburg nicht gleich zu Beginn des Ladens zu finden, sondern erst im hinteren Teil. Empfangen wird der Konsument hier in Lëtzebuerg mit Non-Food Artikeln, meist sind dies - wie wir später vermehrt feststellen - Kosmetikprodukte.
Wir kaufen ein, nehmen den Bus ins Hotel zurück und fahren kurz darauf erneut mit dem Bus. Doch diesmal rein in die Stadt. Denn dort haben wir kurz nach drei Uhr nachmittags den Slot für die Besichtigung der Kasematten gebucht.

Um viertel nach drei Uhr betreten wir die Petruss-Kasematten. Über Wendeltreppen und auf eigene Faust tauchen wir in den Untergrund von Luxemburg ab.
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Die Luxemburger Kasematten sind in den Fels gehauene Höhlen und Gänge aus dem siebzehnten Jahrhundert. Sie wurden zu Verteidigungszwecken angelegt und waren ursprünglich ein Teil der Festung Luxemburg. Denn die Oberstadt liegt auf einem Plateau und galt dank den Kasematten einst als eine der besten gesicherten Festungen Europas.
Das unterirdische Labyrinth teilt sich heute in zwei, unabhängige Teile auf: Die "Bock"- und die “Petruss-Kasematten”.
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Wie einige von euch vielleicht wissen, bin ich eher der, der solche geschichtlichen Dinge spannender findet als Doris. Doch diesmal ist das Interesse auch bei ihr gross. Wir erfahren, dass die ersten Kasematten unter der spanischen Fremdherrschaft im Jahre 1644 errichtet wurden, rund vierzig Jahre später durch die Franzosen ausgebaut und in die “Pertuss Kasematten” umbenannt wurden. Noch einmal sechzig Jahre später bauten die Österreichern diese erneut aus.
Auch im Zweiten Weltkrieg wurden diese als Verteidigungs- und Bunkeranlagen sowie als Luftschutzbunker für die Zivilbevölkerung genutzt. Heute kann man beide Kasematten auf eigene Faust besichtigen und in die Geschichte von damals abtauchen.

Fünfzig Minuten später stehen wir im Stadtgraben, unten beim Fluss Petruss. Wobei der Begriff Fluss mit der aktuellen Wassermenge, die der Petruss führt, aus unserer Sicht die etwas falsche Wortwahl wäre. Dennoch, wir geniessen die wärmenden Strahlen der Sonne, das Grüne und die Sicht nach oben in die Stadt und machen uns auf den Weg zurück nach oben in die Oberstadt.

Über eine Brücke, die unter der regulären Fahrbahn eine Zweite für Fussgänger und Velofahrer hat, gelangen wir zurück ins Gewusel, lassen uns noch etwas durch die Innenstadt treiben und statten dem Europaparlament einen kurzen Besuch ab. Später geht's mit Tram und Bus zurück ins Hotel, wo wir unser Abendessen zubereiten und zufrieden zu Bett gehen.

Der Tag achtundvierzig unserer Reise startet zügig. Wir packen, frühstücken und stehen um viertel vor neun in der Strassenbahn, die uns zum Bahnhof bringt.
Heute gehts mit den öffentlichen Verkehrsmitteln in den Nordosten des Landes. Dort wollen wir auf dem Mullerthal-Trail in die luxemburgische Schweiz eintauchen. So führt uns der Fahrplan an den Bahnhof, von wo wir den Zug nehmen und später in einen lokalen Bus umsteigen, um bis nach “Mompach” zu gelangen.

Die letzten Kilometer steigen wir auf den Bus um. Nebst dem, dass der Bus schon fünfzehn Minuten Verspätung hat, kommt nun noch Umleitung hinzu, die er fahren muss. Für uns kein Problem, da wir keinen Anschluss benötigen und einige Stationen vor der Endhaltestelle aussteigen werden. Doch für den Busfahrer ist dies scheinbar eine Stresssituation. Obwohl wir die einzigen Fahrgäste an diesem Sonntagmorgen sind, er an keiner Haltestelle halten muss und so viel Zeit wieder einholt, fährt er so unachtsam, dass uns übel wird. Als wir nach einer gefühlten Ewigkeit endlich unsere Haltestelle anfahren, steigen wir mit geschüttelten Mägen und sichtlich erleichtert wieder aus.
Mëllerdall
Wir sammeln uns und steigen von hier in die erste Route des Mullerthal-Trails ein. Die ersten zwei Kilometer führen uns an langweiligen Feldern vorbei, von denen wir ja auf unserer Reise nun sicher genug gesehen haben. Doch bald darauf tauchen wir in den Wald ein, für den der Geopark Müllerthal und die luxemburgische Schweiz bekannt sind.
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Der Mullerthal-Trail liegt im Geopark Mëllerdall im Nordosten von Luxemburg und ist als UNESCO Global Geopark gelistet. Der Trail ist in drei Routen als einzelne Rundgänge mit je rund vierzig Kilometern unterteilt. Eine Route ist wiederum in drei Tagesetappen aufgeteilt. Summa Summarum führen die rund neun Tagesetappen durch eine rund hundertzwanzig Kilometer lange Sandsteinfelsen-Landschaft, die verborgen im Wald liegt.
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Der Wechsel zwischen Schatten und Sonne, das Rauschen des Waldes, die kühle Luft und das Grün tut uns so richtig gut. Wir entdecken die ersten Felsen, Höhlen und kommen kurz nach vier Uhr nachmittags am gebuchten Campingplatz, der direkt an der "Sauer" liegt, an. Entspannt geniessen wir die Ruhe, lassen den Abend am Fluss ausklingen und gönnen uns noch eine Abkühlung. Zufrieden, glücklich und voller Erwartungen auf die nächsten Tage gehen wir früh ins Bett und schlafen bald ein.

Am nächsten Morgen sind wir noch uneins, wo wir heute übernachten möchten. Es stehen verschiedene Plätze zur Auswahl, doch wir wissen noch nicht, was die richtige Strategie für die Übernachtung ist, um alle drei Routen nach unserem Gusto zu bewandern. So starten wir in den Tag, ohne zu wissen, dass wir heute Abend wieder hier auf demselben Camping landen werden.
Der Weg führt uns bergauf und anschliessend dem Hang entlang in Richtung Echternach. Vor uns liegen heute gemütliche zwölf Kilometer, die beinahe komplett durch den Wald führen.

Unterwegs haben wir uns dann eine Strategie zurechtgelegt, wie wir die drei Routen des Mullerthal-Trails bewandern wollen. Da die drei Routen in naher Wanderdistanz zueinander liegen, ist unsere Idee die Folgende: Wir definieren pro Route ein Nachtlager, von wo wir wiederum in drei Tagesetappen eine Route bewandern können. Den Start- und Endpunkt vom letzten oder vom nächsten Tag können wir so bequem mit den kostenlosen öffentlichen Verkehrsmitteln anfahren. Der Vorteil: Wir müssen unsere Ausrüstung nicht jeden Tag mittragen und können so auch mal mit nur sehr wenig Gepäck durch die Wälder ziehen. Zudem gibt es auf der zweiten Route sehr enge Stellen, die mit Rucksack erschwert zu machen sind, doch dazu später mehr.
Am Tagesziel erkunden wir die hiesige Kleinstadt “Echternach”, die übrigens die Älteste von ganz Luxemburg ist, kaufen ein und schauen uns den lokalen Campingplatz an. Wir sind uns schnell einig, dass der gestrige Platz ein besseres Preis-Leistungsverhältnis bot und zudem schöner gelegen ist. So zieht es uns mit dem Bus zurück zum heutigen Startpunkt, wo wir erneut unser Zelt aufbauen und gleich drei Nächte für unter fünfzig Euro buchen.

Der Dienstagmorgen startet kühl und regnerisch. Heute steht der dritte und letzte Teil der ersten Route auf dem Plan. Mit Regenjacke und etwas “ZWIPF” - ZWIschenverPFlegung - ausgestattet, fahren wir mit dem Bus zum gestrigen Endpunkt und steigen dort wieder ein.
Der Regen ist heute unser stetiger Begleiter. Aufgrund dessen haben wir unterwegs eine warme Mahlzeit eingerechnet. Es gibt heute eine heisse Suppe mit Knäckebrot, eine Karotte und leckeren Käse. Gestärkt machen wir uns so am Nachmittag auf und nehmen den Rest in Angriff. Später fahren wir mit dem Bus nach Echternach zurück, machen erneut Sightseeing, kehren zurück zu unserem Nachtlager und gönnen uns am Abend ein Essen im lokalen Restaurant am Fluss.

Der Mittwoch startet gemächlich. Heute ist ein Ruhetag geplant, an dem wir bis zum Mittag lediglich frühstücken, im Gras herumliegen und meine Sonnenbrille reparieren. Denn vorgestern beim Wandern verlor ich blöderweise eine Schraube, die das Brillenglas im Gestell fixiert. Die Suche am Boden auf dem Wanderweg war ausweglos. So muss nun die reissfeste Zahnseide von Doris als Notlösung herhalten, um das linke Brillenglas im Gestell zu fixieren.
Am Nachmittag gönnen wir uns eine Abkühlung im Pool und mieten spontan ein SUP und ein Kajak, um den lokalen Fluss - die Sauer, die übrigens gleichzeitig die Grenze zu Deutschland ist - zu erkunden. Wir paddeln, lassen uns im Wasser treiben und geniessen den Nachmittag so richtig.

Doris und meine Augen leuchten, als wir vom Wasser zurückkehren. Uns gefällt eben auch diese langsame Art der Fortbewegung.
Auf unserem Speiseplan steht heute Abend ein Gericht aus der Tex-Mex-Küche. Es gibt leckere Gemüse-Fajitas mit frischen Pilzen, Avocado, Edamame und weiteren Zutaten. Später geniessen wir die abendliche Stimmung und ziehen uns kurz nach dem Eindunkeln zurück ins Zelt.

Fünf Minuten nach halb acht sitze ich am Picknicktisch, direkt am Fluss, mit einem Kaffee in der Hand und freue mich auf mein “neues” Frühstück. Ab sofort landet bei mir nicht mehr Nutella mit Milchbrötchen auf dem Frühstückstisch, sondern reine Erdnussbutter mit Vollkornbrot. Ich verspreche mir dadurch eine viel bessere Sättigung und gesündere Ernährung unterwegs. Wie sich übrigens später herausstellt, war dies die genau richtige Entscheidung und die um Welten bessere Variante als mein vorheriges Frühstück.

Mit gepackten Rucksäcken geht’s heute mit dem Bus nach Echternach, von wo wir in die zweite Route des Mullerthal-Trails einsteigen, eine erste Tagesetappe laufen, um am Abend das Nachtlager für diese zweite Route aufzuschlagen. Diese zweite Route ist die Spektakulärste der drei und so auch die meist begangene. Wir stellen unsere Erwartungen deshalb auf mehr Wandernde unterwegs ein.
Nach einem kurzen Besuch im Einkaufsladen steigen wir auf, in die höher gelegenen Wälder. Die Wege führen uns auf und ab durch kleine Schluchten, vorbei an steilen Felswänden und immer mitten durch die Sandstein-Felsenlandschaft.

Nach einem Mittagsrast führen uns die Wege weiter durch den Wald und in immer enger werdenden Passagen, die zwischen den Felswänden hindurchführen.

Irgendwann erreichen wir die “Huel Lee” und bestaunen die vom Menschen geformte Höhle. Denn hier wurden im Mittelalter Mühlesteine auf einfache Weise aus dem Stein gehauen. Zum Abbau wurde die runde Form auf den Stein gezeichnet, in die gewünschte Dicke gemeisselt und anschliessend Holzkeile dahinter hineingeschlagen. Durch Zugabe von Wasser quollen die Keile auf und erzeugte einen so starken Druck, dass sich der Mühlestein vom restlichen Sandstein löste.

Am späteren Nachmittag treffen wir nach einer gemütlichen Wanderung in unserem Nachtlager für die nächsten drei Nächte ein. Wir richten uns ein, gönnen uns einen kurzen Power-Nap und basteln mit herumliegendem Material einen provisorischen Tisch. Später erkunden wir den Campingplatz und entdecken, dass hier die Aufbauarbeiten des “ART2B” Festivals, welches in einer Woche startet, voll am Laufen sind. Von Yoga, Entspannungs - und Achtsamkeitserlebnissen über Kunstmarkt bis hin zu Musik auf verschiedenen Bühnen, ist es ein Festival der besonderen Art und mit vielen Facetten. Diese Art von Festival erinnert mich irgendwie an das damalige “Openeye-Festival” aus Oberlunkhofen.

Am nächsten Tag, heute ist bereits wieder Freitag, erkunden wir die zweite Etappe von der zweiten Route des Mullerthal-Trails. Kurz vor zehn Uhr geht’s los, wieder nur mit Verpflegung und ohne komplette Packung. Denn heute erwarten uns sehr enge und mit vollen Rucksäcken nicht passierbare Stellen.
Ausgerüstet mit Stirnlampe geht's zuerst wieder durch den mystischen Wald bis zur ersten Felsspalte, die auch als “Hölle” betitelt ist und fünfundfünzig Meter tief in den Felsen hineinreicht. Ich tauche die ersten zwanzig ein und kehre danach wieder um.

Die Wege führen uns auf rund zwanzig Kilometer durch Wald und enge Felsspalten. Über die ganze Wanderung verteilt, treffen wir immer wieder auf anspruchsvolle und teils stockfinstere Partien. Fasziniert erkunden wir diese. Ich lasse hier die nächsten vier Bilder für sich sprechen.




Viele Stellen können nur seitwärts begangen werden und wirken teils sehr klaustrophobisch. Doch für alle kleinen Entdecker und Höhlenforscher unter euch: Es ist ein faszinierendes und kostenloses Erlebnis, auf dem ich eine Stirnlampe wärmstens empfehlen kann 🙂
Am Ende unserer heutigen Etappe nehmen wir den Bus zurück zu unserem Nachtlager, lassen den Abend ausklingen, geniessen die Aussicht und gehen nach Sonnenuntergang ins Bett.

Die dritte Etappe der zweiten Route erkunden wir am heutigen Samstag. Sie ist nicht mehr ganz so spektakulär wie die gestrige und dennoch spannend. Sie startet für uns heute bei einer über fünfhundert Jahre alten Eiche und verläuft erneut auf rund zwanzig Kilometer durch die Wald- und Felsenlandschaft des Mullerthal.

Um viertel nach zehn Uhr am nächsten Morgen ziehen wir mit gepackten Rucksäcken hinaus in den Sonntag. Heute steht eine kurze Etappe an, denn wir gönnen uns eine Übernachtung in einem kleinen Hotel, um zu entspannen, Blog zu schreiben und die nächsten Tage zu planen.
Glücklicherweise hat im nächsten Dorf der Einkaufsladen geöffnet und wir können unsere Reserven auffüllen. Neben dem Laden packen wir alles aus, sortieren und verstauen die Lebensmittel.
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Nach einem Einkauf suchen wir uns einen Platz im oder direkt neben dem Laden, um die eingekauften Lebensmittel zu “preppen” - das nennen wir so, wenn wir unnötige Verpackungen entfernen und direkt vor Ort entsorgen, Luft aus den Verpackungen rauslassen und für den Verzehr nach Kategorien sortieren und anschliessend verstauen. Denn so sparen wir unnötiges Gewicht sowie Platz und haben bei der Essenszubereitung schnell Zugriff darauf. Je nach Grösse eines Einkaufs dauert dies fünf bis zehn Minuten. Meist erledigt dies Doris voller Tatendrang und mit leuchtenden Augen.
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Bevor es weitergeht, gönnen wir uns noch einen Tee und Milchshake. Am späteren Nachmittag treffen wir dann beim gebuchten Hotel ein, ziehen draussen Überziehschuhe an - die Wanderer werden hier darum gebeten - und beziehen unser Zimmer. Am Abend lassen wir uns im hoteleigenen Restaurant verköstigen und gehen früh ins Bett.

Nach einer unruhigen Nacht erwachen wir und beginnen die neue Woche mit einem kurzen Frühstück.. Obwohl wir beide keine erholsame Nacht hatten, starten wir motiviert in den Tag. Denn heute geht’s rein in die dritte und letzte Route des Trails.
Wie bereits die letzten beiden Routen laufen wir heute eine kleine Tagesetappe und schlagen dann unser Nachtlager für die nächsten drei Tage auf. Die Wege führen uns in ein unerwartet schönes Bachtal.

Unterwegs erinnern wir uns an die Kurzinfo über die drei Routen. Wobei Route eins für kulturelle Besonderheiten steht, Route zwei für die besonderen Felsformationen sowie Gänge und Höhlen. Die Route drei zeichnet sich unter anderem hauptsächlich für zauberhafte Bachtäler aus.
Durch dieses laufen wir heute den ganzen Tag und sind, trotz zwischenzeitlichen Regen fasziniert, wie das fliessende Wasser dem Wald eine andere Stimmung gibt.

Gegen Mitte Nachmittag steigen wir langsam aus dem wild-romantischen Bachtal hinauf ins nächste Dorf. Schon von Weitem erkennen wir die hiesige Burg, die besichtigt werden kann. Kurz nachdem wir am Parkplatz der Burg vorbeilaufen, fängt es in Strömen an zu regnen. Wir können uns noch gerade so knapp unter einen mit Efeu überwachsenen Felsvorsprung retten und unsere Regenkluft anziehen. Kurz darauf fährt ein schwarzer Tesla mit niederländischem Kennzeichen auf den Parkplatz und fragt uns, ob wir bei ihm im Auto Schutz brauchen. Doch wir lehnen die nette Geste ab. Nicht nur weil wir vermutlich seinen sauberen Innenraum dreckig machen würden - abgesehen davon, dass wir vermutlich auch nicht nach wohlduftenden Rosen riechen - sondern weil wir wirklich unter dem trockenen Felsvorsprung dem Spektakel des Platzregens lauschen und mit fast allen Sinnen erleben können.

Zehn Minuten später ist die Vorstellung vorbei und die Sonne blinzelt wieder hinter den Wolken hervor. Wir prüfen kurz den Regenradar und wagen es, die letzten fünfhundert Meter zum Nachtlager in Angriff zu nehmen.

Unser Nachtlager für die nächsten drei Nächte liegt auf einem Campingplatz. Wir können halb im Wald, unter riesigen Bäumen unser Zelt aufbauen und den Abend gemütlich ausklingen lassen.
Für den heutigen Dienstag sind gemütliche achtzehn Kilometer mit knapp vierhundert Höhenmeter auf und ab geplant.

Ziemlich genau in der Hälfte legen wir einen Mittagsrast ein und snacken. Bei herrlichem Wetter geht's am Nachmittag weiter. Mal rauf, dann wieder runter, immer durch den Wald. Später steigen wir dann in ein Dorf ab, gönnen uns dort eine Süssigkeit bei einem Konditor und nehmen die letzten beiden Kilometer zum heutigen Tagesziel in Angriff.

Am Abend kochen wir und geniessen die feudalen Einrichtungen dieses Campingplatzes. Nebst sehr sauberen Sanitäranlagen gibt es hier sogar WC-Schüssel und Waschbecken, die auf Kinderhöhe montiert sind. So können wohl auch die Kleinsten die Toiletten selbstbestimmt nutzen. Zu unserem Erstaunen gibt es sogar eine Hundewaschanlage. Kurz nach Sonnenuntergang machen wir unsere Abendtoilette und ziehen uns ins Zelt zurück.
Der Mittwochmorgen startet mit kühlen sieben Grad. Doch mit den ersten Sonnenstrahlen, die auf unser Zelt fallen, wird es spürbar wärmer.
Heute steht die letzte Tagesetappe des Trails auf dem Plan. Wieder knappe achtzehn Kilometer führen uns durch den Wald immer entlang dem Wasser. Das heutige Highlight ist die “Kallektuffquell” sowie der “Schéissendëmpel”. Erstere sind Quellen, die markant über einen Fels hinablaufen und sich dadurch eine dicke Schicht aus Moos gebildet hat. Zweiteres, also der “Schéissendëmpel” heisst wirklich so und hat nichts mit dem zu tun, was auf Deutsch interpretiert werden könnte. Übersetzt bedeutet das nämlich so viel wie: Schiessentümpel. Er ist mittlerweile ein Insta-Spot geworden und zeichnet sich durch die drei kleinen Wasserfälle aus, bei denen eine alte steinerne Brücke im Hintergrund das Bild abrundet.
Den letzten Abend in der Region Mullerthal lassen wir in einer lokalen Pizzeria ausklingen, bevor wir zum Zelt zurückkehren und zufrieden ins Bett fallen.


Nachklang
Dieser komplett kostenlose öffentliche Verkehr in ganz Luxemburg ist schon was Feines. Einfach einsteigen, mitfahren und wieder aussteigen. Anfänglich fühlen wir uns wie Schwarzfahrer, denn so ganz ohne Billet einfach einzusteigen ist schon etwas gewöhnungsbedürftig. Doch mit der Zeit ist es schon fast eine Selbstverständlichkeit, die wir in der Schweiz sicher wieder vermissen werden.
Ich bin immer wieder erstaunt, für welche Zwecke die Zahnseide alles zu gebrauchen ist. Egal ob als Nähfaden, Schraube oder Seilverlängerung. Die kostengünstige, kaum dehnbare, reiss- und wasserfeste Zahnseide ist stets auf unserer Seite.
Bisher stellten wir unser Nachtlager hauptsächlich für eine Nacht auf und bauten es am nächsten Morgen wieder ab. Das nomadische Unterwegssein, also das Nachtlager für zwei bis drei Tage an einem Ort aufzustellen, die Umgebung zu erkunden und anschliessend wieder weiterzuziehen, hat für uns einen grossen Reiz. Nicht dass uns das weite Wandern nicht gefällt, nein so ist es nicht, es ist einfach auch eine Art des Reisens, welche wir für uns entdeckt haben und sehr spannend finden.
Nächste Woche verlassen wir die luxemburgische Schweiz, erkunden einige Tage den Süden der Region Éislek, bevor wir Luxemburg verlassen und langsam in Richtung Schweiz aufbrechen.
Bis dahin, geht raus in die Natur, geniesst den goldenen Herbst und die wunderbaren sonnigen Tage.
Es grüsst euch herzlich aus dem Schwarzwald ✌🏼
Doris & Sascha
