
Verussziit | Heisse erste Tage
Vom Start bis zur ersten Planänderung
Start
Es ist Dienstagmorgen. Ich sitze gemütlich am Frühstückstisch und löse noch ein letztes Sudoku, während Doris mich ermahnt und fragt, ob ich erst in der Mittagshitze starten möchte? Ich verneine und steige aus meiner “Sudokububble” aus, um meine letzten Dinge zu packen.
Gegen zehn Uhr sind wir startklar. Wir verabschieden uns von unseren temporären Obdach-Gastgebern - meinen Eltern - und laufen gemütlich los. Kurz bevor wir Berikon verlassen und in Richtung Reusstal absteigen, hören wir noch von weitem jemanden pfeifen und rufen: “Sascha!” Doris und ich drehen uns erstaunt um und entdecken wild winkend auf einem Balkon, Otto - ein Freund meiner Eltern. Wir winken zurück und steigen anschliessend in den Wald nach Bremgarten ab.
Nach rund einer Stunde erreichen wir die Reuss und laufen den schattenspendenden Weg in Flussrichtung, hinab nach Sulz. Trotz Schatten ist es drückend warm und wir beschliessen kurz vor Mittag eine Pause einzulegen und uns in der Reuss abzukühlen.
Nach einer stärkenden Pause geht's weiter entlang der Reuss. Unser heutiges Tagesziel ist Mellingen. Dort dürfen wir unsere erste Nacht bei Valentina - einer Arbeitskollegin von Doris - verbringen. Wir erreichen Mellingen kurz vor fünf Uhr abends und kühlen uns nochmals kurz im Fluss ab, bevor wir die letzten Meter zu Valentina in Angriff nehmen.

Erschöpft werden wir von Valentina herzlich empfangen. Sie hat für uns extra ein Bett, frische Frotteewäsche und ein eigenes Bad bereitgestellt, zudem köchelt das Nachtessen bereits und ein herrlicher Duft füllt die Wohnung. Zügig beziehen wir das Zimmer, duschen und geniessen die feudalen Verhältnisse. Ich ermahne Doris, dass wir dies dann nicht jeden Tag haben. Sie nickt wissend und meint schmunzelnd: "Ich weiss jetzt nicht, ob dieser Luxus für den Start hilfreich ist oder nicht”. Mit knurrenden Mägen und voller Freude sitzen wir mit Valentina zu Tisch, geniessen das herrliche Essen und plaudern, bis wir kurz nach neun Uhr erschöpft ins Bett fallen.
Erholt und dennoch etwas müde, starten wir mit einem kurzen Frühstück in den Tag. Kurz nach acht Uhr ziehen wir los in Richtung Brunegg.

Zwei Stunden später sind unsere Wasserreserven von knappen drei Litern aufgebraucht. Doch auch die dritte Wasserstelle, die wir anlaufen, ist trocken. Die Brunnen sind abgestellt und die Bäche trocken. So versuchen wir unser Glück bei der lokalen Kirche. Unterwegs dorthin werden wir von einer Dorfbewohnerin angesprochen und gefragt, ob wir was suchen? - Allem Anschein nach sehen wir etwas “lost” aus. - Nach einem kurzen Gespräch mit ihr, bietet sie uns an, bei ihr Zuhause unsere Flaschen zu füllen. Dankbar nehmen wir an und laufen die noch wenigen Metern schnurstracks zu ihr nach Hause. Kurz darauf geht's zufrieden weiter und wir können vollgetankt zum Schloss Brunegg aufsteigen.
Danach führt uns der Weg auf und ab durch den Wald, hinüber zum Schloss Wildegg. Dort steigen wir hinab nach Wildegg und steuern auf die Aare zu.

Am späteren Nachmittag erreichen wir unser heutiges Tagesziel, Rupperswil. Wir kaufen noch ergänzendes für unser Nachtessen und kühlen den gekauften Rahm provisorisch mit kaltem Brunnenwasser.
Rund zehn Minuten später treffen wir auf dem Bauernhof von Sabine und Rolf ein, wo wir herzlich empfangen werden. Rolf zeigt uns seinen Hof, plaudert mit uns und gibt uns noch einen abkühlenden Tipp für den nahegelegenen Grundwasserkanal. Wir bauen unser Nachtlager auf und machen uns anschliessend auf die Suche nach der von Rolf versprochenen Abkühlung.

Nach einem anstrengenden zweiten Tag mit fünfunddreissig Grad und über einundzwanzig Kilometer wandern, schlafen wir kurz nach Sonnenuntergang ein.
Der dritte Tag startet kurz nach sechs Uhr. Beim Frühstück beschliessen wir, heute etwas der Hitze auszuweichen, nur vormittags unterwegs zu sein und den Nachmittag im Schatten zu verbringen sowie allenfalls eine kurze Strecke mit dem Bus hinter uns zu bringen.
Doch zuerst geht's weiter der Aare nach, vorbei an einer Fischtreppe, bei der man nach unten steigen und die Fische beobachten kann. Leider zeigt sich keiner und so ziehen wir kurz darauf weiter. Wir durchqueren Aarau, überqueren die Aare sowie die Kantonsgrenze nach Solothurn und treffen kurz nach Mittag in Erlinsbach ein. Dort füllen wir beim Friedhof unsere Wasserreserven auf und rasten unter den schattenspendenden Bäumen.

Für den Nachmittag bleibt uns die Option anderthalb Stunden in der brütenden Sonne weiterzuziehen oder drei Stationen mit dem Bus zu fahren und der letzte Kilometer zu laufen. Die Option Bus ist zu verlockend und so steigen wir einige Minuten später in den Bus und erreichen Mitte Nachmittag den Bauernhof, auf dem wir unsere Nacht verbringen.
Vor Ort treffen wir auf eine Familie mit Fahrrädern, die gerade ihre Zelte aufbaut und diese Nacht ebenfalls hier verbringen wird. Nachdem wir uns eingerichtet haben, spendiert uns die andere Familie zwei Melone-Schnitze, die wir dankend annehmen, genüsslich essen und uns mit ihnen unterhalten. Eigentlich sind wir nicht in der Stimmung, uns mit anderen zu unterhalten und würden Ruhe und Erholung bevorzugen. Doch aufgrund der Hitze und dem wenigen Schatten können wir uns aktuell noch nicht zurückziehen.
Später kochen wir unser Abendessen und ziehen uns gegen neun Uhr zurück und schlafen kurz darauf ein.

Heute Freitag, dem vierten Tag, führen uns die Wege via Olten weiter nach Gunzgen. Wir starten absichtlich früh, um der Hitze zu entkommen. So geht's bereits kurz nach sechs Uhr los. Es geht durch Dörfer und Wälder wieder hinab an die Aare.
Kurz vor Mittag erreichen wir Olten, wo wir unseren Mittagsrast einlegen. Hungrig und im kühlen Schatten stürzen wir uns auf unser Mittagessen. Wir merken. dass die ersten Tage uns viel Energie gekostet haben, nicht nur aufgrund der Wärme, sondern auch, weil der Körper sich noch nicht an diese Belastung gewöhnt hat.
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Wir haben kein spezielles Training absolviert, um unseren Körper vorzubereiten. Denn nach ein bis zwei Wochen wird dies unser Alltag sein und der menschliche Körper wird sich entsprechend anpassen. Falls nicht, schauen wir dann weiter. Dabei haben wir uns vorgenommen, auch mal den Bus oder den Zug zu nehmen, um langsam zu starten und unserem Körper Zeit für Anpassung zu geben. Alles darf, nichts muss.
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Unsere Batterien sind nicht mehr so voll wie auch schon. So fällt uns die Entscheidung, auch heute den Bus für den letzten Teil zu nehmen, nicht schwer.
Am späteren Nachmittag treffen wir bei unserem Nachtlager, einem Obstbauern, ein. Dort bauen wir unser Zelt im Schatten der Kirschbäume auf und geniessen den Abend.

Am Abend planen wir die nächsten Tage und recherchieren die Wetterlage sowie die Wettermodelle für die nächsten Wochen. Denn mit dieser Hitze zu wandern ist möglich, doch entspricht nicht unserer Erwartungshaltung. Aufgrund der Hitzeglocke über Frankreich und der möglichen Wettermodelle sind wir uns schnell einig, dass wir etwas an unseren Plänen ändern möchten. Doch wohin und was wir umplanen möchten, werden wir morgen genauer anschauen, denn heute bleibt uns dafür zu wenig Energie. Wir entscheiden vorerst, morgen zu Fuss nach Olten zu laufen, dort zwei Nächte in einem Bed & Breakfast zu übernachten und dann unsere Karten neu zu sortieren.
Nachklang
Wie haben wir uns doch vorgenommen, genug zu trinken und entspannt zu starten. Denn, auch wenn wir über drei Liter Wasser pro Person getrunken haben, spürten wir abends, dass wir dehydriert sind. Zudem hatte ich bis am nächsten Morgen Verspannungskopfschmerzen. Eigentlich sollte ich es ja nach meinem Via-Alpina Abenteuer vom letzten Jahr besser wissen.
Auf einen heissen Sommer haben wir uns gefreut. Uns war bewusst, dass es warm werden wird. Doch unsere Erwartungshaltung war schlichtweg eine andere. Hinzu kommt, dass wir zu Beginn unseres Abenteuers voraussichtlich gute zwei Wochen brauchen, bis der Körper sich auf die neue Belastung anpasst und umstellt. So benötigen wir anfangs mehr Erholungszeit, die uns leider nicht gegeben ist, da es vor Sonnenuntergang zu warm ist, um einigermassen erholsam zu schlafen und andererseits wir bereits wieder früh aufstehen müssen - da dann die Temperaturen noch relativ angenehm zum Wandern sind . So verkürzt sich unsere Erholungszeit auf ein Minimum, was dazu führt, dass wir am nächsten Tag weniger Energiereserven haben.
Zur fehlenden Energie kommt hinzu, dass wir aufgrund der Hitze und fehlendem Schatten, teilweise auf landschaftlich schöne Passagen verzichten müssen und deshalb auf schattenreiche oder bequemere Varianten wie Bus umsteigen. Da dies nicht unserer Grundidee entspricht und wir nicht an einen vordefinierten Weg gebunden sind, haben wir uns entschieden, unsere Karten neu zu mischen und in kühleren Gefilden weiterzuziehen. Wohin, erfahrt ihr im nächsten Beitrag. 😉
Bis dahin, liebe Grüsse mit kühler Brise ✌🏼
Doris & Sascha