
Verussziit | Die Heimkehr via Schwarzwald
Ein Rucksack voller Natur, Nachklang und Ideen
📏 259km, ↗ 4’529m, ↘ 5’570m, 🗓️ 03. - 26. September
Region Éislek
Es ist dreiundzwanzig Minuten nach sieben Uhr. Ich habe über neun Stunden geschlafen und erwache langsam, während Doris bereits wach ist und schon mitten in ihrer Morgenroutine steckt. Beim Frühstück quatschen wir mit unserem Zeltnachbarn, einem Portugiese, der in den Niederlanden lebt und hier in Luxemburg Wanderurlaub macht. Gut genährt vom Frühstück und mit gepackten Rucksäcken geht’s kurz vor halb elf Uhr zur nahegelegenen Bus-Station, an der es zu unserem Erstaunen sogar einen offiziellen Sitz-/Parkplatz für den Rollator gibt - so zumindest unsere Vorstellung. Eine andere Erklärung finden wir nicht.

Heute fahren wir mit dem Bus in die nächstgrössere Stadt und werden dort fünf Nächte auf einem Campingplatz in einem Safari-Zelt übernachten. Denn dort wollen wir ruhen und die Umgebung erkunden. Weiter hoffen wir, dass wir die ersten Erkenntnisse der letzten sechzig Tage besser erkennen können, wenn wir das bisher Erlebte setzen lassen.
Wir kaufen ein, machen uns auf den Weg zum Camping, geniessen den Nachmittag und kochen am Abend eine herzhafte, leckere Rösti.

Der Freitag ist zusammengefasst kurz erklärt. Drei Mahlzeiten, viel Ruhe, kurzer Spaziergang sowie Wäsche waschen. Ein sehr erholsamer Tag, nicht nur körperlich, sondern besonders auch mental.

Erholt und ausgeschlafen wie schon lange nicht mehr, gönne ich mir heute meinen Kaffee im Bett. Der Tag gestern hat uns gut getan, doch brauchen wir unbedingt Bewegung - mehr dazu im Nachklang.
So geht’s am späteren Vormittag auf, zu einem kurzen Stadtrundgang im nahegelegenen Ettelbruck. Dort findet heute übrigens auch noch das alljährlich “Stackelser Inte Fest” statt.

Am Nachmittag entdecken wir Strassenkunst, schlendern durch die Stände des Festes, gönnen uns einen kleinen Snack und beobachten die vielen Besucher, wobei wir vermutlich die einzigen Touristen sind. Auffällig fühlen wir uns nicht und dennoch werden wir zu unserem Erstaunen von einer lokalen Radiostation abgelichtet.
Um Punkt vier Uhr startet das Hauptspektakel. Gespannt warten unzählige Leute am Fluss auf die Freilassung der Enten. Mit einer Blaskapelle - die den Entenmarsch spielt - folgt sogleich der Startschuss, wobei die unzähligen Enten zu Wasser gelassen und der langsamen Alzette überlassen werden. Rund zwanzig Minuten und wenige hundert Meter später, treffen die ersten im Ziel ein und gewinnen das Entenschwimmen.
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Das Stackelser Inte Fest ist ein beliebtes Familienfest mit Kunsthandwerk und Entenrennen auf der Alzette - einem Nebenfluss der Sauer, der durch die Stadt Ettelbruck führt. - Die Hauptattraktion ist eben dieses Entenrennen oder besser gesagt das Treiben lassen von Gummienten, bei dem Hunderte von nummerierten Gummienten einige hundert Meter der gemächlichen Strömung überlassen werden. Gewinnen können am Ende um die zwanzig Enten.
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Gemütlich spazieren wir am Abend zurück zu unserem Zuhause auf Zeit, bleiben lange wach und diskutieren über viele Ideen und Gedanken aus den letzten Wochen.
Für den Sonntag haben wir wieder einen Sightseeing-Tag mit viel Bewegung eingeplant. Wir wollen das Schloss Vianden besichtigen und fahren mit dem kostenlosen und überfüllten Bus, in den Nordosten von Luxemburg, nach Vianden.
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Das Schloss Vianden hat eine rund tausendjährige Geschichte. Es wurde im Laufe der Zeit immer wieder erweitert und ist im neunzehnten Jahrhundert zur Ruine zerfallen. Seit der Verstaatlichung, Ende der siebziger Jahre, wurde es renoviert und kann heute in ihrer ganzen ehemaligen Pracht besichtigt werden.
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Das Schloss ist laut CNN eines der einundzwanzig schönsten Schlösser der Welt. So liegen unsere Erwartungen hoch, als wir aus dem Bus aussteigen und langsam zum Schloss hochlaufen. Es thront oberhalb von Vianden, auf einem Hügel und wartet darauf, besichtigt zu werden.

Mit dem Audio-Guide fürs Handy können wir in die Geschichte eintauchen und erfahren viele spannende Details zum Schloss und dem damaligen Leben der Grafen sowie der Bediensteten.

Gegen halb fünf Uhr fahren wir mit dem Bus zurück nach Ettelbrück und schlendern gemütlich “nach Hause”. Nach einem heissen Tag gönnen wir uns in der Nähe ein Abendessen im Restaurant und lassen den Rest des Tages zufrieden ausklingen.
Der vierte Tag in unserem Safari-Zelt, startet wiederum sehr gemütlich. Auch heute wird es wieder heiss und so suchen wir uns Schatten, um Blog zu schreiben, zu lesen und einfach zu sein. Der Nachmittag sieht mehr oder minder ähnlich aus. Wir kühlen uns im Wald ab und versuchen uns beim Waldbaden. Denn hier gibt es extra einen dafür angelegten Pfad inklusive Anleitung, was wir dann doch einmal ausprobieren möchten, wo wir doch schon so viel davon gelesen haben.
Zum Abendessen gibt’s alle Reste aus unserem Vorrat. Kurz nach Sonnenuntergang schliessen wir den Reissverschluss unseres Safari-Zeltes und gehen zufrieden und vorfreudig ins Bett. Denn wir haben uns entschieden, morgen wieder weiterzuziehen.

Es ist Dienstagmorgen kurz vor acht Uhr. Ich liege noch im Bett und recheriere nochmals kurz unsere Zugverbindungen, während Doris langsam wach wird.
Wir haben lange hin und her überlegt, ob wir via Vogesen, Schwarzwald und dann südwärts zurück in die Schweiz sollen, oder eben doch lieber den Rhein entlang. Schlussendlich haben wir uns für die Route über den Schwarzwald entschieden. Die Vogesen lassen wir vorerst zwar aus, doch möchten wir sie dann sicher ein anderes Mal erwandern. Direkt nach Deutschland wollen wir heute noch nicht. Wir besuchen noch ein Städtchen am Rande der Vogesen. So geht's heute mit dem letzten gültigen Tag des Interrail-Passes über Luxemburg-Stadt, Metz-Ville, Strassburg nach Colmar.
Unser Zug fährt erst um viertel vor zwölf. Wir lassen uns Zeit, frühstücken den übriggebliebenen, hartnäckigen Rest unseres Vorrates. So kommt es, dass Doris, Penne zum Frühstück verspeist und ich mein gekauftes Skyr, auf das ich die letzten Tage nie so richtig Lust hatte.

Wir sind so früh am Bahnhof, dass es uns gelingt, eine Verbindung früher zu nehmen. Was unsere Reise bis zum Ende des Tages leider nicht verkürzt. Denn bei einer Verbindung muss unser Zug so lange warten, dass wir erst die übernächste Anschlussverbindung erwischen. Doch der französische Zugbegleiter bot uns freundlicherweise an, eine alternative Verbindung herauszusuchen. Wir lehnen dankend ab und teilen ihm mit, dass wir diese bereits selber mit der Interrail-App herausgesucht haben.

Beim Bahnhof in Colmar suchen wir uns den Weg in die Innenstadt. Denn rund um die Stadt sind etliche Bauarbeiten im Gange, doch für die Fussgänger wurde wortwörtlich überall der rote Teppich ausgerollt. Kurz nach fünf Uhr checken wir im Hotel für die nächsten zwei Nächte ein. So können wir uns einen kompletten Tag Zeit geben, um Colmar zu entdecken.
Den Abend lassen wir in einem Park am Rande der Altstadt ausklingen. Hier gibt es tausende Schwalben, die sich auf drei Bäumen versammeln und vermutlich in den Süden reisen werden. Wir beobachten das Spektakel gespannt und sind fasziniert von den riesigen Schwärmen sowie dem tosenden Lärm. Immer wieder wechseln Schwärme die Bäume. So kommt es, dass bei einem Wechsel Doris wieder das Glück von oben trifft, bereits das zweite Mal auf unserer Reise. Wir schauen uns an und lachen herzhaft.

Der nächsten Tag, der fünfundsechzigste, ein Mittwoch, beginnt mit Frühstück und anschliessender Morgentoilette. Den Rest des Vormittags verbringen wir im Hotelzimmer mit planen, Blog schreiben und lesen.
Erst gegen Mittag verlassen wir unser Zimmer, machen Sightseeing in der Altstadt und gönnen uns unser Mittagessen am anderen Ende der Altstadt.

Die Altstadt mit ihren kunterbunten Häusern hat ihren ganz eigenen Charme. Obwohl es für uns an teils Plätzen zu viele Menschen hat, ist dies wohl wenig im Vergleich zur Hochsaison. Wir streunen durch die Gässchen, vorbei an Klein-Venedig, den farbenfrohen Häusern und kehren am Abend zurück ins Hotel.

Wie immer an einem Reise- oder Wandertag, ist der morgendliche Ablauf im Groben oft derselbe. Wobei dieser keineswegs zur Routine geworden ist. Es gleicht für uns eher einem Ritual. Die Dinge wertzuschätzen, die man erlebt hat, seine Sachen zu packen und weiterzuziehen, um Neues zu entdecken.
So führen uns heute die Strassen und Wege mit Bus und Bahn über den Rhein nach Deutschland an den Rand des Südschwarzwalds nach Freiburg im Breisgau.
Wie so oft hat unser französische Fernreisebus Verspätung, heute ganze vierzig Minuten. Einige wenige Fahrgäste, die an der Haltestelle warten, werden schon nach kurzer Zeit nervös und steigen später gestresst und drängelnd in den Bus ein, so, als ob es einen Unterschied machen würde, dass durch ihr Drängen die Zeit wieder aufgeholt werden kann. Uns irritiert das Ganze und so versuchen wir das zu ignorieren, um nicht noch selbst gestresst einzusteigen.

In Breisach am Rhein steigen wir aus dem Bus aus und betreten das vierte und letzte Land auf unserer “Verussziit”, bevor wir vorerst wieder in die Schweiz zurückkehren.
Die Fahrt mit der S-Bahn dauert rund dreissig Minuten. Am Bahnhof in Freiburg im Breisgau, werfen wir einen Blick auf unsere Planung, um gewichtsoptimiert einzukaufen. So brauchen wir heute nur einige wenige Kleinigkeiten für unseren ZWIPF und suchen uns anschliessend ein schattiges Plätzchen in einem Park mitten in Freiburg.

Um halb vier Uhr nachmittags machen wir uns auf den Weg zu unserer Unterkunft. Diese Nacht ist es ein Hostel mit Gemeinschaftsbad und Aufenthaltsecke. Das Ganze nennt sich “Das Viertel” und hat den Charme wie ein kleines Stadtviertel und das mitten in der Altstadt von Freiburg. Es bietet für fast jeden Geschmack etwas. Von Mehrbett-Kajüten bis zu grossen Zimmern. Hierbei sind alle Räume als eine Art Hütten gestaltet, die in einer grossen Halle wie Häuser angeordnet sind, eben wie ein kleines Stadtviertel.

Wir beziehen unser Zimmer, richten uns ein und erkunden die Innenstadt. Die Altstadt gefällt uns paradoxerweise auf Anhieb, wo wir doch eher eine Abneigung zu Städten haben und uns lieber draussen auf dem Land bewegen. Dennoch, wir fühlen uns direkt wohl. Es gibt so viel zu entdecken, doch haben wir nur eine Übernachtung hier geplant und so beschliessen wir, diese Stadt vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt wieder zu besuchen.

Der heutige Freitag bringt uns mit dem Zug, raus aus der Stadt, hinein in den Südschwarzwald. Von da an wollen wir nun den restlichen Weg zurück nach Hause komplett zu Fuss zurücklegen. Die nächsten vierzehn Tage erwarten uns so rund zweihundertzehn Kilometer. Wobei es natürlich kürzere Routen gäbe, doch wir haben ja keine Eile und wollen unterwegs auch etwas besichtigen und uns Zeit lassen.

Südschwarzwald
Kurz nach zehn Uhr verlassen wir Freiburg, nehmen den Zug zum “Titisee”. Von da an geht’s nun nur noch zu Fuss weiter. Heute sind dies rund zehn Kilometer zu einer Unterkunft, wo wir zwei Nächte verbringen wollen.

Am frühen Nachmittag treffen wir in unserer Unterkunft ein. Das Check-in erfolgt selbstständig. Den Nachmittag und Abend lassen wir entspannt dahin gleiten und gehen früh ins Bett.
Für den heutigen Samstag ist ein gemütlicher Rundgang ohne Rucksack, von knapp neun Kilometern, mit Besuch durch die Ravennaschlucht geplant. So führen uns die Wege zuerst hinab zum Eingang der Ravennaschlucht und dann durch die Ravennaschlucht hinauf, von wo wir durch Wald und über Wiesen wieder zurück zu unserem Nachtlager laufen.

Entspannt von der lockeren Wanderung, lassen wir uns den Luxus einer finnischen Sauna nicht entgehen und heizen diese am Nachmittag ein. Später schreiben wir Blog, diskutieren Erkenntnisse über unsere Auszeit und kochen ein Abendessen aus unserem Vorrat.

Wie bereits die letzten Tage lassen wir auch den Sonntag langsam anrollen. Seit wir den Müllerthal-Trail in Luxemburg verlassen haben, ist es uns wichtig, unseren Ideen aus den Erkenntnissen, Raum zu geben, damit diese für uns greifbarer werden. Daher sind unsere Tage aktuell nicht mehr so voll gepackt mit Wandern und Entdecken - wie man vermutlich unschwer am Textinhalt erkennen kann - sondern mehr mit Entspannung, Nichtstun und Ideen gestalten. Einfach erklärt: Brainstormen und miteinander besprechen, was wir nach unserer Rückkehr machen wollen.
Dennoch, auch für diesen Sonntag haben wir Bewegung eingeplant. So geht heute unsere Reise mit Sack und Pack, über Hügel und durch Wälder weiter, vorbei am höchstgelegenen Bahnhof Deutschlands - auf neunhundert siebenundsechzig Metern über Meer - hinab zum Schluchsee.

Am Schluchsee können wir wiederum für die nächsten zwei Nächte unser Zelt aufstellen. Neben zwei anderen Gästen, die auch im Zelt übernachten, sind keine weiteren hier. Wir kochen, geniessen die letzten Sonnenstrahlen und ziehen uns anschliessend in unser Zelt zurück.
Heute Montag, es ist bereits der Tag siebzig unserer Reise, wollen wir um den Schluchsee wandern. Wir tauchen in die Natur ein und stellen fest, dass wir uns in Bewegung viel besser unseren Ideen und Träumen hingeben können als sitzend. Denn mit Bewegung gehen wir die Sache kreativer und motivierter an.

Den Mittagsrast legen wir direkt am See ein. Von dort führen uns die Wege weiter um den See. Kurz vor der kompletten Umrundung kaufen wir noch Snacks für die nächsten Tage ein und nehmen den Rest in Angriff.
Am Abend geniesst Doris die letzten Sonnenstrahlen während ich an der Sonne noch etwas Blog schreibe. Am liebsten würden wir die Wärme der Sonne speichern. Wie etwa beim Kinderbuch “Frederick - Die Maus”. Denn diese Nacht soll es knapp drei Grad kalt werden. So ziehen wir uns kurz nach Sonnenuntergang aufgewärmt ins Zelt zurück und schlafen bald darauf ein.

Der heutige Dienstag startet wie erwartet kalt. Es sind knappe drei Grad und so warten wir, bis die Sonne hinter den Bäumen hervorblinzelt. Zwar ist uns mit unserer Ausrüstung weder kalt noch frieren wir, doch sobald wir uns aus dem Quilt hervorwagen, wirds zügig kalt.
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Wir haben keinen Schlafsack dabei, sondern einen Quilt. Dies ist eine Art Daunendecke, die sich zu einem Schlafsack formen lässt. Der Vorteil: Er ist leichter als ein gleichwertiger Schlafsack und kann im Sommer als reine Decke verwendet werden. Geeignet ist der Quilt jedoch nur für drei Jahreszeiten - Frühling, Sommer und Herbst - Im Winter wäre ein entsprechender Schlafsack, trotz des Gewichtes, wohl die bessere Wahl.
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Kaum zeigt sich die Sonne, werden wir von deren Strahlen aufgewärmt. Sie hat trotz des langsamen Herbstanfangs noch immer spürbar sehr viel Kraft. Zum Frühstück gibt's heute - nebst dem klassischen Nahrhaften - noch heissen Kräutertee, um uns warmzuhalten.

Kurz nach neun Uhr brechen wir mit Sack und Pack auf und ziehen weiter. Das heisst für uns heute, knappe siebzehn Kilometer Richtung “St. Blasien”. Unterwegs haben wir einen unerwarteten Weitblick. In der Ferne sind sogar Bergspitzen zu erkennen. Nach einer kurzen Recherche erfahre ich erstaunt, dass ich von hier bis zum “Titlis”, “Vrenelisgärtli”, “Jungfrau” und vielen weiteren Schweizer Bergspitzen freie Sicht habe, einzig was trübt, ist die etwas dunstige Luft.

Am späteren Nachmittag erreichen wir unser heutiges Nachtlager, ein Trekking-Camp mitten im Wald. Nebst uns ist noch ein zweites Zelt aufgebaut, das, welches wir später überraschend feststellen, den Wanderern gehört, die mit uns bereits letzte Nacht am selben Ort übernachtet haben.
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Solche Trekking Camps sind offizielle Zeltplätze im Schwarzwald für rund drei Parteien mitten in der Natur. Via Online-Reservation kann ein Platz reserviert und gleich auch bezahlt werden. Eine fantastische Lösung mit frischem Wasser und einer Komposttoilette - also allem Komfort, den man an so einem wunderbaren Ort braucht, um die Natur ohne Ablenkungen und ohne Wildcampen zu erleben.
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Trotz der versprochenen Wasserquelle, die direkt frisches Trinkwasser in einen Brunnen leitet, ist hier nichts zu sehen. Denn der Brunnen ist staubtrocken und aus dem Hahn tropft es auch nicht. So bleibt uns keine andere Wahl, um frisches Wasser etwas weiter unten im Wald zu besorgen. Während Doris unser Nachtlager einrichtet, mache ich mich anhand der Karte auf die Suche nach intakten Fliessgewässern. Schon nach guten fünfzehn Minuten Fussmarsch treffe ich wie erwartet auf einen kleinen Bach mit Wasserfall, an dem ich mittels Filter unsere Reserven auffüllen und anschliessend zum Lager zurückkehren kann.

Am Abend kochen wir, quatschen mit dem später noch eintreffenden deutschen Solo-Wanderer “Marcel”, teilen unsere letzten Kekse mit ihm und gehen zufrieden ins Bett.
Der Mittwochmorgen ist erneut kühl, daher gibt es heute - nebst dem Üblichen - auch wieder warmen Tee zum Frühstück. Zudem haben wir übrigens seit Tagen jeden Morgen Besuch von Rotkehlchen.

Gesättigt vom Frühstück und mit Elan steigen wir aus dem hiesigen Wald ab ins Tal. Der heutige Tag führt uns lediglich ins nächste Dorf. Entspannt geht’s so rund neunzig Minuten nach St. Blasien. Auf dem Weg tankt Doris bei der ersten Gelegenheit Sonne. Denn diese versteckt sich heute Morgen lange und hartnäckig hinter den Hügeln und Bäumen. Aufgewärmt wandern wir entlang eines Baches talwärts in Richtung Dorf.

Am späteren Vormittag treffen wir unten im Dorf ein. Sofort erinnere ich mich wieder, dass ich hier bereits einmal durchgelaufen bin - damals, als ich vor rund fünf Jahren in sieben Tagen von Mutschellen nach Strassburg wanderte.
Da heute ein lockerer Tag ist, gönnen wir uns als erstes einen Rast bei einem Konditor. Später kaufen wir einige Kleinigkeiten ein und warten im Park neben dem hiesigen Dom, bis wir im gebuchten Hotel einchecken können. Während ich müde und mit Kopfschmerzen auf der Parkbank die Leute und die Umgebung beobachte, “preppt” Doris unseren Vorrat und füllt unseren Salzvorrat auf.

Um drei Uhr nachmittags checken wir im Hotel ein und freuen uns auf eine Dusche. Nebst der erweiterten Körperpflege nutzen wir die Zeit auch, um unser Geschirr wieder einmal richtig zu putzen, Zelt zu trocknen, Blog zu schreiben und die nächsten Tage zu planen.

Den Abend lassen wir im lokalen Restaurant ausklingen und gehen kurz nach neun Uhr ins Bett.
Am nächsten Tag - bereits der siebzehnte des Monats Septembers - sind wir früh wach und spinnen erneut Ideen für die Zeit nach unserer Rückkehr. Nach dem Frühstück und mit gepackten Rucksäcken verlassen wir das Gasthaus und wollen noch etwas Sightseeing im Dorf machen, bevor wir in die heutige Route einsteigen werden. Nebst dem Dom, der innen aus imposantem, weissem Marmor gefertigt ist, treffen wir auf einen älteren Herrn, der uns begeistert zu unserem Unterfangen ausfragt. Auch er war früher viel zu Fuss und mit Zelt unterwegs. Besonders dann, wenn das Wetter so richtig schlecht war, wie er klar betont und mit seinen leuchtenden Augen unterstreicht.

Gegen halb Zwölf verlassen wir St. Blasien und folgen der “Alb” flussabwärts.
Der Weg führt uns vorbei am Stausee und irgendwann weg vom Gewässer, hinauf in die Hügel und Wälder zum nächsten Trekking-Camp. Heute mit der Hoffnung, dass es dort intaktes Trinkwasser gibt.

Am frühen Abend kommen wir an unserem Ziel an. Vor Ort finden wir ausreichend Trinkwasser, eine Trocken-Komposttoilette und viel Platz. Wie so oft, lassen wir uns Zeit zum Ankommen und bauen erst später unser Nachtlager auf.

Beim Aufbau des Nachtlagers vertraut Doris auf meine Erfahrung. Mittlerweile weiss jedoch auch sie genau, auf was bei der Wahl des Nachtlagers zu achten ist, doch den Aufbau überlässt sie immer noch mir. Sie richtet anschliessend lieber unseren Rückzugsort ein.
Beim Aufbau spielen neben den Wetterverhältnissen sowie anderen Faktoren, natürlich auch die Bodenbeschaffenheit eine wichtige Rolle. Zuerst suche ich den Boden nach einer, mehr oder minder, ebenen Fläche ab. Dafür lege ich mich auf den Boden, um zu eruieren, ob ich denn auch gerade liege. Da ich dann bereits am Boden liege, schaue ich auch gleich noch nach oben, ob es allenfalls sogenannte “Widow-Maker” gibt - also Äste, die morsch, krank oder ähnliches sind, abbrechen und auf unser Zelt fallen könnten. - Ist der Platz gefunden, suchen wir den Untergrund nach spitzigen Gegenständen ab, damit wir uns so ein "Groundsheet" - eine Bodenblache, die den Zeltboden schützt - sparen können. Dies machen wir dann meist barfuss, denn so spüren wir auch winzige Teile. Als dritten und letzten Schritt breite ich das Zelt aus, baue es auf und spanne es ordentlich ab. Im Regelfall benötigen wir für all diese Schritte rund zehn Minuten.

Gegen Abend sind wir immer noch die Einzigen hier und haben so den ganzen Platz für uns. Wir kochen und lassen den Abend entspannt ausklingen, bis wir uns kurz nach Sonnenuntergang zurückziehen und die letzte Zeltnacht auf dieser Reise verbringen dürfen.

Die letzte Nacht draussen im Zelt war erholsam, doch der Morgen ist kalt und lässt uns mässig zügig in die Gänge kommen. So starten wir erst kurz vor halb zehn in die heutige Etappe. Bereits nach dreissig Minuten stossen wir im Wald auf einen "Schnapsladen", der an einem Baum befestigt ist. Eine Holzkiste mit verschiedenen Obstbränden darin, die für Wandernde zur Stärkung dienen sollen. Klingt verlockend, sich einen zu gönnen, doch lassen wir es lieber sein, da heute noch über zwanzig Kilometer vor uns liegen.

Kurz nach Mittag staunen wir nicht schlecht, als wir etwas oberhalb von Wolpadingen ein atemberaubendes Alpenpanorama bestaunen dürfen. Vom “Säntis” im Osten über das “Vrenelisgärtli” bis zum “Wildstrubel” im Westen ist beinahe der ganze Schweizer Alpenkamm erkennbar.
Am späten Nachmittag erreichen wir unser Nachtlager für die nächsten zwei Nächte bei einer Familie. Da niemand Zuhause ist, rufen wir Martin - unseren Gastgeber - auf dem Handy an. Er teilt uns mit, wo er den Schlüssel versteckt hat und so können wir unser Zimmer beziehen.

Die kleine Küche und das Bad teilen wir mit zwei anderen Gästen. Es ist eine Art Bed & Breakfast ohne inkludiertes Frühstück. Später besucht uns Martin, quatscht mit uns, teilt Infos über die Umgebung und zieht sich irgendwann zurück, worauf wir kochen und früh schlafen gehen.
Am nächsten Morgen lassen wir uns wieder Zeit, um unsere Ideen für das zukünftige Unterwegssein weiter zu diskutieren, auszuarbeiten und erste Recherchen zu planen. Am Nachmittag gönnen wir uns einen einstündigen Spaziergang zum hiesigen "Forelle Bächle" - das ist ein im Mittelalter angelegter Kanal zur Bewässerung von Feldern - und lassen den Rest des Nachmittags draussen im Garten der Familie dahingleiten. Später plaudern wir wieder mit Martin und den zusätzlichen Gästen “Inken” sowie “Katharina”.

Am Sonntag starten wir bereits in die drittletzte Etappe. Denn bevor wir “Zuhause” wieder in ein eher “normales” Leben zurückkehren werden und dort schneller als uns lieb ist im Rauschen der ToDo’s untergehen, wollen wir einige Dinge noch unterwegs für uns klären und fixen. Dazu gleich mehr.
Zuerst geht’s heute mit rund zwölf Kilometern in die Nähe der Schweizer Grenze. Etwas oberhalb von Albbruck haben wir vier Nächte in einer kleinen Unterkunft gebucht.
So schlängeln sich unsere Wege durch den herrlichen Wald, immer entlang der Alb, bis wir Mitte Nachmittag bei Lisa klingeln und sie uns unser Appartment - in einem alten, umgebauten Holzschopf - zeigt.

Wir dürfen ihren Garten mitbenutzen sowie Walnüsse und Zwetschgen selber vom Boden und den Bäumen ernten. Die unkomplizierte Art gefällt uns, wodurch wir uns gleich sehr willkommen fühlen. Auch wenn sie uns netterweise erzählt, dass sie vor einigen Tagen irgendwo drinnen ein Mäuschen gesichtet habe.

Am Abend kochen wir uns das Abendessen mit dem Luxus eines elektrischen Kochherds und planen die nächsten drei Tage. Dabei steht nicht die klassische Routenplanung wie bis anhin im Fokus, sondern mehr: Wie soll es nach der Rückkehr weitergehen und was ist uns kurz- sowie langfristig wichtig?

Diese Fragen nehmen wir mit in die Nacht und gehen früh schlafen.
Der Tag siebenundsiebzig, heute wieder ein Montag, steht ganz im Zeichen der gestrigen Fragen. Neben einem siebzig minütigen Spaziergang zum nächsten Supermarkt verbringen wir viel Zeit draussen, schreiben Blog, diskutieren, lesen und lassen die letzten Wochen auf uns wirken. Uns wird bewusst, dass wir bereits in einer Woche zurück sind, doch eigentlich realisieren wir es noch gar nicht so richtig.

Der Dienstag startet mit einer leckeren, selbstgemachten Rösti. Später tauchen wir wieder ab in unsere Aufgaben: schreiben Blog, recherchieren, setzten die ersten Ideen in die Realität um und lüften zwischendurch draussen unsere Köpfe.

Der Tag darauf, der Mittwoch der dreiundzwanzigste September, ist ähnlich aufgebaut: Blog schreiben, Ideen verfolgen, spazieren gehen, Sonne geniessen, nichts tun sowie einfach in den Tag hineinleben wie schon lange nicht mehr.

Es ist Donnerstagmorgen, Punkt neun Uhr. Wir starten gestärkt in den Tag und freuen uns auf die heutige Etappe. Es sind rund achtundzwanzig Kilometer Fussmarsch bis nach Brugg in die Schweiz. Es geht hinab nach Albbruck und dann über den Rhein in die Schweiz.

Zurück in die Schweiz
Von dort wieder aufwärts, wo wir einen kurzen Rast einlegen, anschliessend weiter über Mandach hinab nach Villigen und gegen Ende des Nachmittags nach Brugg. Es sind heute überdurchschnittlich viele Kilometer, doch da wir nun schon über Wochen hinweg zu Fuss unterwegs sind, ist dies ohne Schwierigkeiten gut machbar.

Am frühen Abend treffen wir im gebuchten B&B ein und werden von Roland im stimmigen “Flusshaus” herzlich empfangen. Das Haus, welches schön in die Altstadt von Brugg eingebettet ist und direkt an der Aare liegt, zeigt uns anhand der Einrichtung und Ausstattung, die Faszination von Roland und Maja - die Partnerin von Roland - für das nomadische Leben. Wir fühlen uns gleich wohl, lassen den Abend gemütlich ausklingen und gehen früh schlafen.
Der zweitletzte Morgen unseres Abenteuers beginnt mit einem herzhaften und liebevoll zubereiteten Frühstück. Maya plaudert mit uns und erzählt faszinierende Geschichten aus ihrem Leben. Man spürt förmlich, wie es sie am liebsten gleich jetzt wieder raus in die Welt ziehen würde. Sie gibt uns Tipps für den Tag. Wir ziehen am späteren Vormittag in die Altstadt und erkunden diese bei perfektem Wetter.

Für den Nachmittag haben wir einen Besuch im hiesigen "Wasserschloss" geplant. Das ist nicht, wie es der Name vermuten lässt, ein Gebäude, sondern eine Gegend, bei der die drei Flüsse Aare, Reuss und Limmat zusammenfliessen. In der Fachsprache spricht man da von “Konfluenz”, also dem Zusammenfluss von Fliessgewässern.
Die langanhaltende Trockenheit ist an den unglaublich niedrigen Pegelständen unübersehbar und erstaunt uns dann doch etwas.

Nach einer gemütlichen Wanderung von knapp dreizehn Kilometern kommen wir entspannt nach Brugg zurück, geniessen den frühen Abend in der Altstadt und bereiten uns mental auf das morgige Ende unserer Reise vor. Nach einem leckeren Abendessen in einem Restaurant geniessen wir die Abendstimmung in der Altstadt und ziehen uns später zurück ins Zimmer.
Etwas müde starten Doris und ich in den herrlichen Samstagmorgen, dem sechsundzwanzigsten September. Mit leicht verschlafenem Blick steigen wir die knarrenden Treppen des Altstadt-Hauses hinab, um zu frühstücken. Wie gestern plaudern wir beim Frühstück wieder mit Maya und vergessen fast die Zeit.

Heute führt uns unsere Planung auf der letzten Etappe von Brugg auf den Mutschellen. Vor uns liegen neunundzwanzig Kilometer mit insgesamt rund achthundert Höhenmeter Auf- sowie Abstieg. Kurz bevor wir starten, treffen wir noch eine Frauengruppe, die beim morgendlichen Kaffee im B&B sitzt. Eine kennt Doris und meint scherzhaft: “Ihr seid aber noch nicht weit gekommen."
So geht’s kurz nach halb zehn Uhr los. Die Wege führen uns am letzten Tag über Baldegg hinab nach Dättwil und dann vorbei an tosendem Autobahnlärm hinauf in Richtung Sännenberg.

Links liegt das Limmattal und rechts das Reusstal. Kurz bevor wir hinunter zum Egelsee absteigen, haben wir freie Sicht auf die Stadt Zürich, den Üetliberg und die dahinterliegenden Alpen. Einen etwas anderen Blickwinkel auf Zürich als man es sich gewohnt ist. Denn klassischerweise kennt man das Panorama so, dass man die Stadt mit dem dahinterliegenden See und in weiter Ferne das Alpenpanorama sieht. Doch eben nicht aus diesem Blickwinkel, denn der Zürcher Hausberg - der Üetliberg - verdeckt die Sicht auf den See.

Etwas später steigen wir hinab zum Egelsee. Die Sonne verschwindet langsam hinter den Baumkronen und taucht den See in abendliche Stimmung. Wir gönnen uns einen kurzen Rast, snacken etwas und nehmen die letzten Kilometer in Angriff.

Mit etwas gemischten Gefühlen steigen wir wieder an und kommen bald aus dem Wald wieder hinaus. Beim Hasenbergturm - ein vierzig Meter hoher Aussichtsturm - rastet Doris erneut, währenddessen ich die zweihundertzehn Treppenstufen hochsteige, um die Aussicht oben vom Turm auf unser Ziel, das Reusstal, die Innerschweiz und das Alpenpanorama zu geniessen.

Kurze Zeit später satteln wir zum letzten Mal unsere Rucksäcke, steigen ins nächste Dorf ab, kaufen noch kurz ein und machen uns auf den Weg zu unserem Zuhause.
Nach rund tausend Kilometer zu Fuss und über zweihundert Wander-Stunden, öffne ich kurz nach halb sieben abends die Türe unseres Zuhause auf Zeit und beende damit unsere Reise.

Nachklang
Die Bewegung und das Draussen-Sein hat bei uns an grossem Stellenwert zugelegt. Schon zu Beginn unserer Reise war uns bewusst, wie wichtig uns Bewegung und das Draussen-Sein ist, doch, dass dies nochmals so extrem an Wichtigkeit zulegt, hatten wir schlichtweg nicht erwartet.
Auf den letzten Wochen unterwegs, verwendeten wir immer mal wieder die Worte “...zuhause” oder “...daheim”. Doch wir meinten nicht einen fixen Ort damit, sondern den Ort, wo wir gerade eben unser Nachtlager haben oder unser Hab und Gut lagerten. Dies zeigt uns, dass wir uns immer dort zuhause fühlen, wo wir gerade sind und dass Zuhause kein Ort ist, sondern ein Gefühl.
Viele Tätigkeiten - wie beispielsweise Rucksack packen - wurden zur alltäglichen Aufgabe. Doch zur Routine wurde es nie. Eher zu einem Ritual. Man packt sein Hab und Gut, sattelt der Rucksack und zieht weiter. Ein wunderbares Gefühl.
Unsere Reise ist zwar beendet, doch werden wir noch einen letzten Bericht verfassen. Darin werden wir unsere Erkenntnisse, Zahlen und Fakten sowie unsere Zukunfts-Ideen mit euch teilen.
Bis dahin, geht raus, geniesst den goldenen Herbst und die wunderbaren Tage. ✌🏼
Doris & Sascha
