Sonne, Sand und Wind

Sonne, Sand und Wind

Sonntag, Juli 26, 2026

Flucht in den kühlen Norden Frankreichs

📏135km, ↗ 1’690m, ↘ 1’680m, 🗓️ 11.- 20. Juli

Zurück nach Olten

Es ist Samstagmorgen, kurz vor halb sechs Uhr. Die Sonne ist noch knapp unter dem Horizont und das Vibrieren meiner Uhr zeigt mir an, dass wir aufstehen sollten. Achtzig Minuten später haben wir gefrühstückt, Zelt und Rucksack gepackt und stehen bereit, um in den noch kühlen Morgen zu starten.

Heute geht's von Gunzgen zurück nach Olten. Dort haben wir für zwei Nächte ein Bed & Breakfast gebucht und somit genug Zeit, um die Details unserer Planänderungen zu fixieren und wohin wir dieser Hitze ausweichen wollen.

Vorbei an Aarburg mit Sicht auf die berühmte und mächtige Festungsanlage aus dem frühen zwölften Jahrhundert hinab an die Aare nach Olten. Dort suchen wir ein schattiges Plätzchen und werden im Stadtgarten fündig, wo wir vorerst den Mittag geniessen. Wir machen es uns im Schatten eines riesigen Baumes gemütlich, snacken und kühlen uns die Füsse im Brunnen.

Am späteren Nachmittag gehts auf die andere Seite der Aare in Richtung B&B. Am Bahnhof beim "Brezelkönig" frage ich die Bedienung, ob sie denn eine Kartonschachtel habe, die sie nicht mehr benötigen. Die freundliche Dame zeigt auf einen Stapel Karton. Wir suchen uns einen Geeigneten aus, bedanken uns und ziehen freudig weiter Richtung B&B. Doch warum wir genau eine Kartonschachtel benötigen, erfahrt ihr gleich.

Im B&B empfängt uns der aufgestellte Gastgeber Reto herzlich, gibt uns etliche Tipps - fast zuviele; denn uns ist ja die Umgebung nicht ganz unbekannt - und zeigt uns unser Zimmer. Später am Abend essen wir Reste aus unserem Vorrat, waschen unsere Kleider und gehen früh ins Bett.

Der nächste Morgen startet gemütlich, zuerst ein ausgiebiges und reichhaltiges Frühstück. Anschliessend flicke ich noch kurz ein kleines Loch am Zelt - ist mir aktuell immer noch ein Rätsel, wie dies entstand - und danach wagen wir uns mit der Gästekarte ins Freibad Olten. Dort kühlen wir uns ab und fixieren die Details unserer neuen Pläne. Diese sind: mit dem Zug nach Calais, an die nordfranzösische Küste und dort die Küste den E9 oder einer der französischen Weitwanderwege entlangwandern. Denn zu unserem Vorteil sollte dort immer eine kühle Brise aus nördlicher Richtung wehen, die uns hoffentlich auch bei Sonnenschein gut abkühlt.

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Es gibt diverse europäische Fernwanderwege. Der E9 ist mit knapp zehntausend Kilometer der Längste und führt von Estland nach Portugal, oder umgekehrt, jedoch immer entlang der Küste. Gleichzeitig führen diverse französische Weitwanderwege - Grande Randonnée - kurz GR, diesem Weg entlang. Für uns heisst das, wir steigen bei Calais ein und lassen uns vom Weg und der Natur unterwegs überraschen. Alles darf, nichts muss

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Nach unserem Nachtessen ziehen wir uns ins B&B zurück, packen unsere Rucksäcke und gehen früh zu Bett.

Kurz nach dem Frühstück verabschieden wir uns von Reto und ziehen los in Richtung Bahnhof. Doch vorher versenden wir noch ein Paket an uns selbst. Darin befinden sich viele Dinge von Doris und tatsächlich auch welche von mir. Wir haben in der ersten Woche festgestellt, dass wir einiges doch nicht brauchen und diese nicht die Küste hinab mitschleppen möchten. Das war übrigens auch der Grund, warum wir eine Kartonschachtel benötigten.

Alles in Allem ist nun unser Basisgepäck noch knapp 5.4kg schwer - ohne Essen und Trinken.

Reise nach Calais

Von Olten gehts nach Basel und dort mit dem TGV nach Paris. So zumindest der Plan. Doch bereits auf dem Weg nach Basel erfahren wir, dass der TGV nicht fährt. Die Mitarbeitenden beim Infocenter am Bahnhof Basel haben keine weiteren Infos. Wir erfahren nur, dass aktuell die TGV’s nur bis nach Mulhouse fahren und die Informationen auf den Screens nicht korrekt sind. Wir entscheiden kurzerhand den Regionalzug nach Mulhouse zu nehmen und dort in den TGV zu steigen. Doch in Mulhouse fehlt vom TGV jede Spur und Infos gibt es auch keine. Lediglich eine lange Schlange vor der Fahrgastinfo. Nach langem Hin und Her erfahren wir, wie wir weiterkommen. Zu unserem Glück sind wir sehr flexibel und können uns mit unserem Interrail-Ticket fast frei bewegen, zumindest an diesem Tag. Erstaunlicherweise war dieses Ticket sogar günstiger, als ein Direkt-Billet nach Calais. An dieser Stelle, vielen Dank an den netten SBB-Mitarbeiter von Olten, der sich alle möglichen Optionen heraussuchte und uns schliesslich zum Interrail-Ticket verhalf. Denn unsere Reise hätte nicht blöder fallen können. Fast alles war ausgebucht, da am Tag nach unserer Reise der französische Nationalfeiertag stattfindet.

Später im Zug nach Paris erfahren wir, dass aufgrund von diversen Waldbränden südlich von Paris viele Fernzüge von und nach Paris verspätet oder ausgefallen sind. Dies ist dann auch am Bahnhof Paris zu spüren. Doch trotz Verspätung und verpassten Anschlüssen treffen wir nach einer zwölfstündigen Zugreise und mit über drei Stunden Verspätung in Calais ein. Wir laufen noch knapp dreissig Minuten zu unserem gebuchten Hotel, duschen und fallen erschöpft vom Stress und der Reise ins Bett.

Der darauffolgende Tag, der Dienstag, der 14. Juli, ist der französische Nationalfeiertag. Wir erwachen sanft und ohne Wecker, frühstücken im Zimmer aus unserem Vorrat, schreiben Blog und verfolgen im TV gespannt die Szenerie der Feierlichkeiten in Paris.

Später planen wir die ersten Tage, bereiten uns logistisch vor, stocken unseren Essensvorrat auf, machen Sightseeing und geniessen den Abend.

Endlich Küste

Heute Mittwoch steigen wir in den E9 ein. Dabei wird uns die nächsten Tage der französische Weitwanderweg GR120 begleiten. Nach unserem Frühstück geht's zuerst eine knappe Stunde quer durch Calais. Die Stadt gefällt uns nicht wirklich und so sind wir froh, als wir die Küste erreichen. Dort führt uns der Weg rund eine Stunde entlang einer Düne, bis er schliesslich ans Meer abzweigt.

Heute bläst eine starke Brise aus nordwestlicher Richtung. Der Wind ist so stark, dass wir uns fast nicht unterhalten können. Doch für ein kurzes Selfie reicht es allemal aus. Denn hier an der engsten Stelle des Ärmelkanals sind die Winde stärker als an anderen Stellen. So geht's auf abwechslungsreichen Wegen und mit Rückwind, gemütlich weiter, immer entlang der Küste.

Immer wieder treffen wir auf zahlreiche Infotafeln, die Aufschluss über Flora und Fauna geben. Unter anderem auch auf die Info, dass hier der Eurotunnel unter dem Meer hindurch vom französischen “Coquelles” zum britischen “Folkestone” verläuft. Auch spannend zu erfahren ist, dass vor vierhundertfünfzigtausend Jahren bereits ein “Brexit” stattgefunden hat. Denn bis dahin war Britannien und Frankreich mit einer Landbrücke - ohne Meer dazwischen - verbunden.

Am späteren Nachmittag treffen wir sichtlich erschöpft an unserem Tagesziel, einem Camping, ein. Zu unserem Erstaunen ist alles ausgebucht. Mich erstaunt vor allem, dass es normalerweise für ein kleines Zweier-Zelt immer irgendwie Platz geben sollte. Doch dieser Camping besitzt leider keine Zeltwiese. Kurz nachdem wir den Campingplatz wieder verlassen und eine andere Möglichkeit für unser Nachtlager suchen, kommt die Dame von der Reception springend auf uns zu und meint, sie habe eine Annulation erhalten und doch noch einen Platz für uns. Sichtlich erleichtert kehren wir zurück, bauen unser Zelt auf, richten uns ein, kochen unser Abendessen und gehen früh schlafen.

Die Stimmung zwischen Doris und mir war gestern Abend angespannt. Trotz unruhigem Schlaf bei beiden, ist heute Morgen die Stimmung wieder besser. Kurz nach neun Uhr starten wir und laufen bei Ebbe die ersten sechs Kilometer alles dem Strand entlang. 

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Teile des E9 und des GR120 verlaufen direkt am Strand und sind nur bei Ebbe begehbar. So kommen neben dem Wetter, Trinkwasser, Essen und vielem anderen noch die Komponente Ebbe/Flut hinzu, der wir unterwegs Beachtung schenken sollten.

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Der Sand ist perfekt hart und so kommen wir gut voran. Später verläuft der Weg etwas weg vom Strand und die angenehme Brise verschwindet teilweise. Vorbei geht’s am “Cap Gris-Nez” wo das “C.R.O.S.S. Gris-Nez” stationiert ist - ein regionales Operationszentrum für Überwachung und Rettung - von hier wird unter anderem die Schiffahrt durch den Ärmelkanal überwacht und koordiniert.

Zu Mittag nehmen wir in einem kleinen Dorf einen Abstecher in ein lokales Restaurant und gönnen uns dort unser heutiges Mittagessen. Nach einem leckeren Essen führen uns die Wege weiter weg von der Küste, vorbei an imposanten und mächtigen deutschen Bunkern aus dem Zweiten Weltkrieg und schliesslich in ein Dorf, in dem wir unser gebuchtes Zimmer beziehen, duschen und einkaufen gehen.

Heute haben wir für unser Nachtessen unglaubliche Lust auf frisches Gemüse, Milchprodukte und Chips. Hungrig geniessen wir unser Abendessen im Garten dieses B&B und lassen das Zelt nebenan in der Wiese trocknen. Dieses ist vom Tau aus der gestrigen Nacht noch leicht feucht.

Am Freitagmorgen nehmen wir unser Frühstück im Zimmer zu uns und starten kurz nach halb neun. Heute laufen wir zuerst zum hiesigen “Fort” - einer Befestigungsanlage - die leider geschlossen ist. Doch aufgrund der aktuellen Ebbe können wir sie problemlos umrunden. Anschliessend geht’s wieder weg von der Küste, hinein ins Landesinnere. Der Weg führt uns dabei durch wunderbare Dünen sowie hinein in Pinien- und Föhrenwälder. Doch auch wenn der Weg noch so wunderschön ist, ist er unglaublich anstrengend. Denn der Untergrund ist aus weichem Sand und lässt uns nur langsam vorankommen.

Vorbei an alten Bunkern verläuft der Weg später zurück ans Meer. Einige davon sind heute noch so gut in Schuss, dass man sie betreten und den Blick aufs Meer hinaus schweifen lassen kann. Pünktlich zu Mittag finden wir im nächsten Dorf in einem kleinen Park einen Schattenplatz, kochen unser Mittagessen und gönnen uns einen kurzen Powernap im mehr oder weniger grünen Rasen.

Für heute Abend haben wir ein sehr preiswertes Zimmer über Airbnb gefunden, welches wir ohne grosses Zögern buchten. Einziger Nachteil: der Weg führt über eine sehr steile und enge Treppe in den alten Estrich des Gebäudes. Trotzdem, wir freuen uns auf das Zimmer und können es kurz nach vier Uhr nachmittags beziehen, uns entspannen, erfrischen und den Abend mit einer leckeren Poke-Bowl abschliessen.

Heute Morgen starten wir mit unserem Frühstück ausnahmsweise nicht im Zimmer oder draussen, sondern zwei Stockwerke tiefer, in der Gemeinschaftsküche des Airbnb. Doch wie zu erwarten sind wir die Einzigen, alle anderen Gäste schlafen wohl noch. 

Nachdem wir unseren Rucksack wieder marschbereit haben, verlassen wir die Stadt in Richtung Hafen. Dort steigt uns ein undefinierbarer Gestank in die Nase. Es muss eine Mischung aus Möwenkot sowie Muschel- und Fischabfällen sein. Mit den Gedanken woanders kämpfen wir uns rund eine ganze Stunde durch das stinkende Hafenviertel und erfreuen uns umso mehr, als wir auf frische Meeresbrise stossen.

Etwas später entdecken wir Menschen allen Alters, die mit jeweils einem Kessel, Gummistiefeln sowie einem Esslöffel in der Hand ausgestattet zum Strand laufen. Zuerst rätseln wir, was das soll, bis wir näher kommen und unauffällig bei einem älteren Herrn, der gerade vom Strand kommt, in seinen Kessel spienzeln. Darin sind Miesmuscheln und eben sein Werkzeug, der Esslöffel. Etwas weiter vorne wird uns dann auf einem Schild das Prozedere genauer erläutert. Hier darf man Miesmuscheln angeln - so sagt man der Art und Weise, wie man die Muscheln erntet. Jede:r darf so viel angeln, wie er möchte, jedoch nicht mehr als fünf Kilogramm. Zudem müssen die Muscheln mindestens vier Zentimeter gross sein und als Werkzeug darf dafür lediglich ein Esslöffel verwendet werden. Dies scheint hier am Samstagmorgen regelrecht ein Ritual zu sein. Ich kann mir gut vorstellen, dass an diesem Abend viele Familien ihr Abendessen richtig geniessen werden, wenn die eigens dafür geangelten Muscheln auf dem Tisch landen.

Doris und ich diskutieren noch lange miteinander über das Thema. Kurz nach zwölf Uhr knurren unsere Mägen und so legen wir in einem Dorf bei einer Kirche unseren Mittagsrast ein und kochen uns eine Suppe.

Am Nachmittag führt uns der Weg wieder zurück an den Strand. Die Flut kommt langsam zurück und erreicht in drei Stunden ihren Höhepunkt, doch bis dahin sind wir längst wieder weg vom Strand. So nehmen wir den Weg entlang dem Strand in Angriff, bis wir nach einer Stunde über eine Düne ins Hinterland abzweigen, durch den Wald laufen und am späteren Nachmittag in unserem Nachtlager eintreffen.

Wir ruhen uns im Schatten aus, stellen später das Zelt auf, richten uns ein, kochen und lassen den Abend ausklingen.

Heute Sonntag steht eine kurze Route mit rund vierzehn Kilometern, einem Zwischenstopp in einem Laden, um unsere Reserven aufzufüllen, sowie einer hoffentlich wunderbaren Passage über Dünen und entlang dem Strand an. Los geht's kurz nach neun Uhr Richtung Küste zurück, hinein in die Dünen.

Die Sonne brennt und der angenehme Küstenwind versteckt sich weit hinter der Düne am Strand. Der sandige Untergrund macht die Sache nicht unbedingt einfacher. Und so legen wir immer wieder Trinkpausen ein und geniessen die eindrückliche Natur rundherum.

Irgendwann zweigt der Weg entlang der Dünen ab und führt uns zum Meer hinab. Am Strand treffen wir wieder auf imposante alte Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg. Auch hier ist klar ersichtlich, wie stark der Atlantikwall damals vorangetrieben wurde. 

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Der Atlantikwall ist eine über zweitausendsechshundert Kilometer lange Verteidigungslinie, die von Hitler in Auftrag und von Generalfeldmarschall Rommel ausgeführt wurde. Der Atlantikwall erstreckt sich entlang der Küste von Norwegen bis hinab zur spanischen Grenze und sollte eine Invasion der Westalliierten verhindern.

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Wir laufen dem gerade durch die Ebbe freigegebenen Strand entlang, geniessen die feine Brise im Rücken und die perfekten Temperaturen. Gegen Mittag hin suchen wir uns ein etwas windgeschütztes Plätzchen und finden dieses in einem alten zerfallenen Bunker, der über die Jahre so langsam im Sand versinkt.

Am Nachmittag beobachten wir bereits zum wiederholten Mal Strandsegler. Das sind Segelwagen, die mittels Windkraft, Segeln und Rädern auf den weiten Ebenen bei Ebbe an den Stränden segeln. Zu unserem Erstaunen bringen diese Wagen es auf eine erstaunliche Geschwindigkeit. Der aktuelle Weltrekord liegt übrigens bei über zweihundert Stundenkilometer. Fasziniert teilt mir Doris mit, dass sie dies als Einstieg in die Welt des Segelns bevorzugen würde, bevor sie selbst auf einem Segelboot Hand anlegen würde.

Gegen zwei Uhr nachmittags treffen wir bei unserem heutigen Ziel ein, wo wir eine etwas spezielle Unterkunft gemietet haben. Eine Art Miniatur-Strandhütte. Voller Freude beziehen wir die Hütte, lassen den Nachmittag ausklingen, lauschen dem feinen Wind hoch oben in den Kronen der Nadelbäumen, gönnen uns einen Powernap und plaudern mit deutschen Radfahrern, die mit ihren Kinder unterwegs sind und in Dänemark bereits etwas Ähnliches angetroffen haben.

Glücklich und zufrieden schlafen wir kurz nach Sonnenuntergang ein. Hier oben in Nordfrankreich geht sie aktuell kurz nach zehn Uhr abends unter und knapp nach sechs Uhr blinzelt sie wieder über den Horizont.

Zum Wochenstart am Montag stehen heute rund fünfundzwanzig Kilometer mit zehn Kilometer über sandigem Untergrund an. Es wird ein anstrengender Tag mit hoher Luftfeuchtigkeit und viel Sonnenschein. So werden es heute etwa knapp dreissig Leistungskilometer.

Zuerst führt der Weg entlang einer Strasse, dann in den Wald, durch ein Dorf, über weite, offene Ebenen und anschliessend quer durch die verschiedenen Zonen einer Sanddüne. Bis wir schliesslich nach drei Uhr am Nachmittag an unserem Ziel eintreffen.

Wieder haben wir eine kleine, spezielle Unterkunft gebucht. Eine kleine Hütte auf Stelzen, doch wie wir vor Ort erfahren, gibt es irgendeine Doppelbuchung. Etwas enttäuscht und doch dankbar, nehmen wir das kostenlos angebotene Upgrade entgegen. So nächtigen wir nun in einem beinahe luxuriösen Safari-Zelt für bis zu fünf Personen, mit eigener Küche, Kühlschrank und vielen zusätzlichen Annehmlichkeiten, die wir eigentlich gar nicht brauchen. 

Zum Abendessen kochen wir etwas aus unserem Vorrat und merken, dass dies bei Weitem nicht ausreichend war. So kaufen wir später zu unserer Entschäuschung mässig leckere Pommes sowie schlechten Rosé. Wir ziehen uns zurück, geniessen den Abend vor unserem Zelt und gehen früh ins Bett.

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Nachklang

Zu Beginn in Calais war für uns nicht klar, ob die entschiedene Planänderung die Richtige war. Denn kurz nach dem Start in Calais herrschte in den ersten vierundzwanzig Stunden eine leicht angespannte Stimmung zwischen Doris und mir. Wir haben uns immer wieder gefragt, ob wir die richtige Entscheidung getroffen haben, in den Norden auszuweichen. Erst am zweiten Tag haben wir herausgefunden, dass unausgesprochene Erwartungshaltungen das entscheidende Problem zwischen den kurzzeitigen Spannungen waren. Obwohl wir der Ansicht sind, dass wir uns viel über unsere Ängste, Sorgen und Erwartungen austauschen, gibt es allem Anschein nach auch bei uns Unausgesprochenes. Wir entdecken gerade blinde Flecken bei uns selbst und sind dankbar, dass sie sichtbar werden.

Wir sind nun bereits zwei Wochen unterwegs. Doris vermisst aktuell ab und zu einen Stuhl oder eine gemütliche Sitzgelegenheit sowie ein Handtuch. Bei mir sieht dies etwas anders aus, ich vermisse die Einfachheit und Möglichkeit beim Wandern auf einfachen Plätzen zu zelten. Denn wir finden, dass hier vieles auf Massentourismus ausgelegt ist, auch wenn man dies in keiner Weise mit dem Massentourismus am Mittelmeer vergleichen kann. Was uns erstaunt ist, dass der E9 bzw. mehrere GR an der Küste verlaufen, doch einfache und minimalistische Möglichkeiten für Wandernde, wie wir es uns vorstellen, gibt es selten bis gar nicht. Dennoch, der Weg, die Natur und die Strecke gefallen uns und lassen uns weiterziehen.

Im nächsten Bericht verlassen wir die Opalküste und wandern hinab in die Normandie, wo sich die Küste durch mehr Klippen als weitläufige Sandstrände auszeichnet. 

Bis dahin, stimmige und sonnige Grüsse ✌🏼

Doris & Sascha

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