Adieu Komfortzone

Adieu Komfortzone

Sonntag, Juli 5, 2026

Vom Loslassen und Verlassen der Komfortzone

🗓️ Januar - Juni 2026

Von der Idee zur Umsetzung

Es ist Weihnachten 2025 und wir geniessen die Festtage mit Familie und Freunden. Doch für Doris und mich sind es aussergewöhnliche Festtage, denn in diesen Tagen beschliessen wir, im neuen Jahr unser Leben umzukrempeln und unsere Komfortzonen zu erweitern sowie das berühmte Hamsterrad hinter uns zu lassen. Denn schon länger sitzen wir irgendwie fest in unserem Alltag und wollen etwas ändern, doch nur vom Denken an eine Änderung wird sich bekanntlich ja nichts ändern.

So sind wir entschlossen, unsere sicheren und gut bezahlten Jobs loszulassen und gegen viele Freiheiten einzutauschen. Gleichzeitig beschliessen wir, unsere Wohnung aufzugeben und unseren verbleibenden Hausrat irgendwo einzulagern.

Was das alles mit sich bringt und was es alles zu tun gibt - physisch wie mental - ist uns zu dem Zeitpunkt nicht bewusst. Auch wissen wir noch nichts von Zweifeln, die uns immer wieder begegnen werden - doch dazu später mehr. So wagen wir uns mutig ins Abenteuer und treffen die Entscheidung für die Auflösung unserer Jobs und unserer Wohnung.

Die Idee: eine Auszeit von vorerst drei Monaten, in der wir viel Zeit draussen verbringen dürfen. Wir nennen das auf gut Schweizerdeutsch: "Verussziit", was so viel bedeutet wie Draussen und Auszeit.

Die Vorbereitungen für die “Verussziit”

Voller Tatendrang starten wir im Januar mit den Vorbereitungen. Es gibt viel zu tun: den Hausrat weiter reduzieren sowie eine Lagermöglichkeit für den übrig gebliebenen Hausrat suchen, unsere Arbeitgeber über unsere Pläne informieren, Ideen für unsere Auszeit sammeln und vieles weitere.

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Schon seit über zwei Jahren sind Doris und ich unseren Hausrat am Verkleinern und auf ein für uns notwendiges Minimum zu reduzieren. Soweit möglich versuchen wir vieles zu verkaufen, in ein Brockenhaus zu bringen oder zu verschenken. Denn uns ist es wichtig, dass die Stücke ein zweites Leben bekommen und nicht einfach im Abfall landen - natürlich dort, wo es sinnvoll und möglich ist.🙂

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Wir verkaufen viele Dinge übers Internet, veranstalten einen "Hausflohmi" - also einen Flohmarkt in unserer Wohnung, verschenken und entsorgen.

Gegen Ende März kündigen wir offiziell unsere Jobs - was mich in meiner Entscheidung immer mal wieder in Zweifel und Hadern versetzt, da ich bereits seit knapp dreiundzwanzig Jahren beim selben Arbeitgeber bin und bisher noch nie gekündigt habe. Doch mit dem Fokus, was ich in Zukunft möchte, verschwinden meine Zweifel und werden durch Freude ersetzt. Auch Doris fällt es nicht leicht loszulassen, obschon sie schon mehrfach Jobs gewechselt hat, ist sie, wie ich, noch nie ohne finanzielles Einkommen in eine ungewisse Zukunft gestartet. Das ist es auch, was uns die ganze Zeit über am meisten beschäftigt: Die finanzielle Sicherheit.

Abschluss und Abschied

Mitte Juni ist es bei mir dann soweit: Ich habe meinen letzten Arbeitstag, sitze in den letzten Meetings, teile mein Wissen ein letztes Mal und tippe die letzten Mails. Nach einem wertschätzenden Abschied verabschiede ich mich und laufe als kleines Abschiedsritual, bei sengender Hitze, die rund dreissig Kilometer von der Arbeit nach Hause. 

Die Tage danach kann ich mich voll auf Kisten packen und die Wohnungsabgabe konzentrieren. Bei Doris dauert der Abschied noch rund einen Monat. So arbeitet sie noch weiter und unterstützt mich dort wo möglich bei den Vorbereitungen.

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Als grobe Richtlinie haben wir uns selbst das Ziel von zwanzig Kisten für unser Hab-und-Gut gesetzt. Doch wie wir später feststellen, war dies doch ein zu hoch gestecktes Ziel, denn schlussendlich wurden es rund dreissig Kisten. Als Lagerplatz für die dreissig Kisten dürfen wir übrigens den Estrich von Doris Mutter verwenden.

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Gegen Ende Juni leert sich unsere Wohnung immer mehr, als wir schliesslich sogar unser Bett verkauft haben, gönnten wir uns einige abkühlende Nächte draussen auf dem Sitzplatz.

Ende Juni ist es dann soweit. Mit gemischten Gefühlen und doch bewusst, geben wir unsere Wohnung an unsere wundervollen Vermieter sauber geputzt wieder zurück.

Bis wir starten, dauert es nun noch rund eine Woche. So verbringen wir die letzten Tage bei meinen Eltern - ein seltsames Gefühl, nach mehr als fünfzehn Jahren wieder für einige Tage bei den Eltern zu wohnen.

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Nachklang

Wir lassen Job, Wohnung, Auto, Einkommen, viel Materielles und Sicherheit los und wagen uns ins Ungewisse. Alles darf und nichts muss.

Klingt einfach und abgeklärt. Ist es teilweise auch, doch was all die Dinge, die wir loslassen in uns und in unserem Umfeld auslösen, war uns nicht bewusst. Besonders, wie wir teilweise an Gegenständen hängen bzw. wie diese uns eine vermeintliche Sicherheit geben, lässt uns aktuell staunend zurück.

So starten meine Frau Doris und ich ab Anfang Juli, ohne Job und ohne Wohnung sowie nur mit Rucksack und wenigen Dingen, zu Fuss in Richtung Atlantik. Der Plan ist es, vorerst keinen Plan zu haben 🙂

Wir tauschen... Termine gegen Träume, Drinnen gegen Draussen, Stau gegen Fluss, das Gehetzt der Städter gegen das Rauschen der Blätter, Klimaanlagen gegen Wind in den Haaren und Pläne gegen Freiheit.

Wir sind gespannt, was wir vermissen werden und was überhaupt nicht.

Von Zeit zu Zeit melden wir uns hier und nehmen euch auf unser Abenteuer mit, schaut rein!

Bis dahin wünschen wir kühle Tage ✌🏼

Doris & Sascha

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